Das Logenhaus(30868 Byte)

 

Ein kursorischer Gang durch die Logengeschichte

Feldloge No. 2

Am Abend des 5. Koalitionskrieges, dem eigentlichen der so genannten "Befreiungskriege" gegen die napoleonische Herrschaft, ersuchte unser Bruder Wilhelm Ludwig Viktor Graf Henckel von Donnersmarck, der bereits als Sechzehnjähriger in die Loge "Zu den drei Kronen" in Königsberg aufgenommen worden war,  bei der "Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland" (GLL FvD) die Genehmigung zur Installation einer Feldloge innerhalb der preußischen Armee. Seinem Gesuch wurde am 12. März 1813 entsprochen. Die neu installierte Loge erhielt den Namen "Feldloge No. 2". Das Siegel der Loge war ein von einem Kreis eingefaßtes, gleichseitiges Dreieck mit daraufliegendem preußischen Gardestern, der seinerseits den preußischen Adler umschloß. Der Adler trug den Wahlspruch der Loge: "Suum cuique". Bereits kurz nach der Installation der Loge am 13. April 1813, begann aufgrund des Kriegsgeschehens ein wechselvolles Umherziehen in Sachsen und Schlesien. Im Oktober 1813 erreichte der 5. Koalitionskrieg seinen Höhepunkt mit der Völkerschlacht bei Leipzig. Da mitten in diesem Kriegsgeschehen der Aufenthalt an einem Orte jeweils nur Tage dauerte, war ein kontinuierliches Arbeiten der Loge kaum möglich.

 Friedrich Wilhelm zum eisernen Kreuz

Die Schlacht bei Belle Alliance (Waterloo) am 18. Juni 1815 führte mit dem Sieg des Herzogs Wellington und unseres Bruders Gebhard Leberecht von Blücher zum endgültigen Niedergang Napoleons und besiegelte damit das Ende der Befreiungskriege. Daraufhin wurden am 28. August 1816 die Arbeiten der "Feldloge No. 2" feierlich und ihre Umwandlung in eine stehende, reguläre Loge beschlossen. Die Loge wurde daraufhin am 5. September 1816 unter den Namen "Friedrich Wilhelm zum eisernen Kreuz" in Erfurt installiert. Mit dieser Namensgebung nahmen die damaligen Brüder fraglos auf den vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. wenige Monate zuvor, am 10. März 1813, gestiftete Kriegsauszeichnung bezug. Heute erscheint uns diese Namensgebung auf den ersten Blick vor allem von Patriotismus bestimmt. Wenn man aber berücksichtigt, daß das "Eiserne Kreuz" der erste Kriegsverdienstorden in Europa war, der ohne Ansehen von Stand und Dienstrang vergeben wurde, dann kommt in dieser Namensgebung durch die damaligen Brüder auch der uns heute noch beseelende Anspruch zum Ausdruck, daß nicht "Geburt", "Rang" oder "gesellschaftliche Stellung" den Wert eines Menschen bestimmen. Die Loge "Friedrich Wilhelm" war und blieb eine reine Militär-, genau genommen eine Offiziersloge, die jedesmal, wenn eine Einheit versetzt wurde, schwer in ihrem Bestand erschüttert wurde. Ein Erblühen und Niedergehen in den folgenden Jahren charakterisierte das Logenleben. 1828 wurde schließlich die einstweilige Inaktivierung der mittlerweile in Torgau ansässigen Loge ausgesprochen.

Erst neunundzwanzig Jahre später, im Jahre 1857, erwachte der alte Name "Friedrich Wilhelm zum Eisernen Kreuz" zu neuem Leben. Jedoch nicht mehr an der Elbe, sondern an den Ufern des Rheins. In Bonn hatten sich zwölf Brüder, die verschiedenen Großlogen angehörten, zu einer losen Vereinigung zusammengefunden. Sie alle bedauerten, daß in dieser Stadt, wo so viel hochgebildete Bürger und reiche Pensionäre ein stilles und beschauliches Leben führten, keine Freimaurerloge vorhanden war. Darum beschlossen sie, eine Loge zu gründen. Zu diesem Zweck wandten auch sie sich an die "Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland" in Berlin, da die meisten von ihnen dereinst in den Logen dieses betont christlichen Freimaurer-Ordens  aufgenommen worden waren. In Erinnerung an den der Freimaurerei stets aufgeschlossenen König Friedrich Wilhelm III. beantragten sie, der neu zu gründenden Bonner Ordens-Loge den Namen "Friedrich Wilhelm zur Gerechtigkeit" zu verleihen. Das war jedoch nicht möglich, weil eine andere Loge gleichen Namens bereits in Ratibor in Schlesien arbeitete. Der Landesgroßmeister der "Großen Landesloge" schlug daher vor, statt eine neue Loge mit neuen Namen zu gründen, lieber eine ruhende Loge zu aktivieren und deren Tradition fortzusetzen. So wurde die Reaktivierung der ehemaligen Torgauer Ordens-Loge unter ihre alten Namen "Friedrich Wilhelm zum eisernen Kreuz" am 25. Mai 1857 durch die Berliner Großloge bestätigt. Mit dem Aufblühen der Stadt Bonn in den Gründerjahren entwickelte sich auch die Bonner Freimaurerloge zu einer starken und allseits geachteten Bruderschaft.

Die Dunkle Zeit

In der Zeit des sog. "Dritten Reiches" wurden Freimaurer verfolgt, diskriminiert und Schikanen unterworfen. Der letzte Logenmeister der "Friedrich Wilhelm", Bruder Robert Flaccus, hatte schon 1933 wegen seiner Zugehörigkeit zur Loge und seiner antinationalsozialistischen Gesinnung seine Stellung bei der Bonner Stadtverwaltung als Leiter des städtischen Vermessungsamtes verloren.  Doch wie in allen Schichten und Kreisen unseres Volkes gab es auch Freimaurer, die sich der neuen Bewegung anpaßten. Es ist das unrühmlichste Blatt in der Geschichte der deutschen Freimaurerei, daß sich die deutschen Großlogen - unter Abkehr wesentlicher freimaurerischer Prinzipien - in den Gegensatz zur den restlichen Großlogen auf der Welt stellte, und versuchten sich mit den neuen Machthabern zu arrangieren. So wurde auch der Einführung und praktischen Umsetzung des sog. "Arierparagraphen" seitens der Großlogen kein nennenswerter Widerstand geleistet; jüdischen Brüdern daher, wenn auch unter öffentlich geäußertem Bedauern, der Austritt aus den Logen nahegelegt. Doch diese Anpassungsversuche, mit dem Ziel im verdeckten weiter für die freimaurerischen Ideale einzutreten, hatten keinerlei Erfolg. Die gesamte Freimaurerei in Deutschland fand im Jahr 1935 durch eine erzwungene Selbstauflösung ein gewaltsames Ende. Trotz dieses traurigsten Kapitels der deutschen Freimaurerei muß betont werden, daß die weitaus größte Mehrheit der Brüder, ihrem freimaurerischen Gelöbnis und Geist treu blieben, und damit zumindest in innerer Opposition zu den "braunen Machthabern" standen. Unter dem Vorwand familiärer oder geselliger Zusammenkünfte, gemeinsamer Spaziergänge und Ausflüge hielten sie heimlich Verbindung untereinander, und wenn einer von ihnen verstarb, begleiteten sie ihn auf seinem letzten Weg. Bereits von 1934 an versammelten sich die Bonner Brüder insbesondere jeden Mittwoch im Hotel Kontinental. Oft konnte man Horcher von der Gestapo am Nebentisch feststellen, die versuchten, Staatswidriges aufzuschnappen. Man traf sich so bis 1944. Danach ließen die Bombenangriffe auf Bonn ein Treffen nicht mehr zu.

Bruderkette vor den sieben Bergen

Bereits kurz nach Kriegsende kamen in Bonn "alte" Brüder Freimaurer zusammen und überlegten, wie man in Bonn das freimaurerische Leben wieder aufleben lassen könnte. In einer Zeit in der alle es oberstes Ziel der Militärregierung war, die Deutschen von Militarismus und Nationalismus, der damals mit "Preußentum" gleichgesetzt wurde, zu reinigen; wäre eine Wiederaufnahme der Arbeiten unter dem Namen "Friedrich Wilhelm zum eisernen Kreuz" undenkbar gewesen. So richtete Bruder Robert Flaccus am 20. November 1945 an die Militärregierung in Bonn - unter Hinweis auf seine frühere Stellung als Logenmeister und die daraufhin erfolgte Entlassung aus seiner Tätigkeit bei der Stadt Bonn - den Antrag: "... im Auftrag der Freimaurerloge "Friedrich Wilhelm zum eisernen Kreuz" in Bonn, die jetzt den Namen "Bruderkette vor den sieben Bergen" führen soll, erlaube ich mir hiermit, um die Genehmigung zu bitten, ihre freimaurerische Tätigkeit in Bonn wieder aufzunehmen zu dürfen... ." Diesem Antrag von Bruder Flaccus wurde dann nach einigem hin und her am 26. März 1947 durch die Militärregierung in Bonn entsprochen. Der Logengründung stand damit nichts mehr im Wege. Leider hat Bruder Flaccus dies nicht mehr erlebt. Er war knapp einen Monat vorher, am 28. Februar 1947, verstorben. Am 2. April fand die konstituierende Versammlung im Logenhaus statt. Die eigentliche Lichteinbringung in den Tempel fand am 27. April 1947 statt. Nun war die so schwierige "dunkle Zeit" unter den Nationalsozialisten überwunden. Die Loge konnte wieder frei unter ihrem neuen Namen "Bruderkette vor den sieben Bergen" arbeiten und schloß sich aus voller Überzeugung und unter dem Eindruck ihres problematischen Verhaltens vor dem Kriege, nicht mehr der "Großen Landesloge", sondern der neuen, nach dem Kriege in Deutschland gegründeten "Großloge der Alten, Freien und Angenommen Maurer von Deutschland" (GL A.F.u.A.M.v.D).

Prometheus

Es entsprach dieser freiheitlichen und aufklärerischen Geisteshaltung der Brüder der Loge "Bruderkette vor den sieben Bergen", einer noch immer skeptischen Öffentlichkeit den freimaurerischen Gedanken näherzubringen und nicht zuletzt auch Brücken zu den katholischen Mitbürgern zu schlagen, daß ein Bruder der Loge im Herbst 1963 Verbindungen zum Dominikanerorden aufgenommen hatte. Die Patres des Klosters Walberg bei Brühl hatten zwar viel Interesse an der ihnen unbekannten Freimaurerei, aber auch starke Bedenken gegen das "Freimaurerische Geheimnis", das sie in der Initiationshandlung vermuteten. Doch dieses "Geheimnis" ist eben kein Geheimnis, sondern besteht im Erleben der rituellen Arbeiten, einem Vorgang, der Außenstehenden kaum erklärbar ist. Um das zu zeigen und vielleicht sogar von kirchlicher Seite ein Gutachten über eine Vereinbarkeit von Katholizismus und Freimaurerei zu erhalten, wurde der damalige Regens des Dominikanerordens in Walberberg, Prof. Dr. Stephanus Pfürtner, vom damaligen M.v.St. zu einer Aufnahme-Tempelarbeit eingeladen. Der Moraltheologe Stephanus, ein Mann - der nicht Freimaurer war - aber der drei Priesterweihen besaß akzeptierte; mit dem Risiko, seine Kutte zu verlieren, da die Teilnahme an freimaurerischen Arbeiten von kirchlicher Seite verboten war und ist. Doch dieses "Gentleman-Agreement" beruhte auf Gegenseitigkeit, der damalige M.v.St. riskierte mit dieser Einladung auch sein Amt zu verlieren, denn die Teilnahme eines Nicht-Freimaurers, eines sog. "Profanen", an einer Tempelarbeit war und ist ebenfalls untersagt.

Diese Tempelarbeit unter Anwesenheit des Regens der Dominikaner blieb nicht folgenlos. Der Dominikaner-Orden fand sich dazu bereit, in den nachkonziliaren , kirchlichen Verhandlungen im Anschluß an das 2. Vatikanum, im Sinne der Freimaurerei zu vermitteln, indem er in einem Gutachten die Freimaurerei aus katholischer Sicht als unbedenklich und mit dem katholischen Glauben für vereinbar erklärte. Die späteren Verhandlungen, an denen auch unsere Großloge A.F.u.A.M. beteiligt war, führte unter anderem zur Streichung des Canon 2335 des Corpus Iuris Canonici, der einen katholischen Freimaurer mit der automatischen Exkommunikation bedrohte. Leider wurde dieser vielversprechende Schritt beiderseitiger Annäherung seitens der katholischen Kirche in der Folgezeit mit formal-kirchenrechtlichen Begründungen de facto wieder zurückgenommen.

Für unmittelbaren "Ärger" sorgte die damalige Tempelarbeit unter Anwesenheit des Regens der Dominikaner allerdings auf freimaurerischer Seite. Die Teilnahme eines "Profanen" an einer freimaurerischen Tempelarbeit wurde, von einem damals zufällig als Gast anwesenden dänischen Freimaurer dem Großmeister der Großloge von Dänemark gemeldet, und von dort an die "Vereinigten Großlogen von Deutschland" (V.G.L.) weitergeleitet. Von dort wurde das Vorgehen unserer Loge zwar mißbilligt, man anerkannte aber die ehrenhaften Motive unseres M.v.St. für sein Verhalten. Der "Vorfall" wurde daraufhin mit einem Kompromiß beigelegt. Die Loge "Bruderkette" wurde formell aufgelöst, zugleich aber mit vollem unveränderten Bestand der Mitglieder, aber neuem M.v.St., unter dem Namen "Prometheus" wieder zugelassen. Der so als M.v.St. abgelöste ist selbst später nochmals für die Jahre 1967/68 zum M.v.St. gewählt und von unserer Großloge A.F.u.A.M. bestätig worden.  So nahmen die Arbeiten unserer Loge unter ihrem neuen und wohlverdienten Namen "Prometheus" bis heute ihren geordneten Fortgang.

Wie rief doch Prometheus, an den Felsen geschmiedet und die Hilfe des Okeanos ausschlagend, aus:

"Was das Schicksal beschlossen hat, muß derjenige tragen, der die unbezwingliche Gewalt der Notwendigkeit einzusehen gelernt hat."

Heute würde er vielleicht sagen:

Kündet der Welt weiter vom Unrecht, von Unwahrheit, von Bosheit und von Tyrannei, doch ohne Fanatismus, bedenkt die Zeit und das aus ihr wachsende Vergehen und Werden. Was Recht ist, läßt sich nicht durch Unrecht erzwingen!

Dieser Forderung nachzukommen und in diesem Sinne zu wirken, das ist die größte Aufgabe, die sich die heutige Bruderschaft von "Prometheus" gestellt hat.